7.000 bis 10.000 LSBTIQ+ sind laut Schätzungen allein in Berlin von Wohnungs- oder Obdachlosigkeit betroffen – Netzwerk aus über 38 Organisationen, Projekten und Einzelpersonen fordert dringend politisches Handeln.
Der AK QUEER*WOHNEN hat am 18. Juni 2026 Handlungsempfehlungen für eine queer-inklusive Wohnungsnotfallhilfe veröffentlicht. Diese richten sich an Politik & Verwaltung in Berlin, sind gleichzeitig gut übertragbar auf andere Bundesländer und Kommunen: Queere Menschen in Wohnungsnot finden weiterhin weder eigenen selbstbestimmen Wohnraum noch eine bedarfsgerechte ausreichende Versorgung bei Wohnraumverlust – und das ungeachtet eines klaren gesetzlichen Auftrags.
Alarmierende Versorgungslücken in Berlin
Nur drei ASOG-Einrichtungen (142 Plätze) orientieren sich in Berlin explizit an den Bedarfen queerer obdachloser Menschen – eine ist akut von Schließung bedroht. Bei der Berliner Kältehilfe gelten nur zwei Angebote als queer-inklusiv, eines davon arbeitet ehrenamtlich. Differenzierte Daten zu queerer Wohnungsnot fehlen weitgehend – und zwar bundesweit.
Keine bedarfsgerechte Wohnungsnotfallhilfe ohne strukturelle Veränderung!
(Allgemeine Handlungsempfehlungen)
- Gesamtstädtische Aufgabe: Ressortübergreifende, verbindliche Kooperationen zwischen Fachverwaltungen, Zivilgesellschaft, Wohnungswirtschaft und aktivistischer Selbstorganisation.
- Datengrundlagen schaffen: Weitere quantitative und qualitative Erhebungen zu queerer Wohnungsnot – unter Einbezug von Träger-Wissen & Erfahrungsexpert*innen & Community.
- Bedarfsgerechte Angebote flächendeckend etablieren: Bestehende Angebote stärken, neue entwickeln – unbürokratisch und in allen Stadtgebieten. Die Schaffung spezifischer LSBTIQ+ Angebote in der Wohnungsnotfallhilfe soll, wie in der IGSV¹ (Auflage 2023, Maßnahme 212) erfasst, dringend vom Berliner Senat weiter geprüft werden!
- Queer-inklusive Qualitätsstandards entwickeln – JETZT: Entwicklung durch kooperative Verfahren beschleunigen, queere Allianzen, Expert*innen und wohnungslose LSBTIQ+ einbinden. Intersektionale Kompetenz ist Grundvoraussetzung: Mitarbeitende müssen Mehrfachdiskriminierungen erkennen und darauf reagieren können.
- Unabhängiges Qualitäts- und Beschwerdemanagement etablieren: Zur Umsetzung von Qualitätsstandards niedrigschwelligen, queer-inklusiven Zugang ohne bürokratische Hürden, Ausweispflicht oder Abstinenznachweis kontrollieren, mit Bewohner*innen-Beirat.
- Schutzkonzept: Gemeinsames Schutzkonzept entwickeln, das intersektionale Bedarfe explizit berücksichtigt und queere Wohnungsnot als Gewalterfahrung anerkennt.
- Teilhabe und Selbstbestimmung: Partizipative Konzepte für selbstbestimmtes Wohnen in ASOG-Einrichtungen verankern; queer sensible Kontrollen und fortlaufende Evaluation sicherstellen.
¹ Initiative „Berlin tritt ein für Selbstbestimmung und Akzeptanz geschlechtlicher und sexueller Vielfalt“ (IGSV) https://www.berlin.de/sen/lads/schwerpunkte/lsbti/igsv/
Wohnungslose LSBTIQ+ sind keine homogene Gruppe! (Zielgruppenspezifische
Handlungsempfehlungen)
- Junge LSBTIQ+: Queere Aufklärung in Schulen, bedarfsgerechte Wohnformen für Care-Leaver und ämterübergreifender Übergang aus der Jugendhilfe in Hilfesysteme für Erwachsene.
- Geflüchtete LSBTIQ+ und BIPoC: Aufenthaltsverfahren beschleunigen; queer-inklusiv qualifizierte Dolmetschende einsetzen; WBS vom Aufenthaltstitel entkoppeln.
- LSBTIQ+ mit Suchterkrankungen: ISP-Kategorien um Geschlechtsidentität und sexuelle Orientierung erweitern; mehr queer-inklusive 24/7-Angebote mit Konsumräumen; Suchtakzeptierendes Housing First ausweiten.
- Queere Sexarbeitende: Istanbul-Konvention konsequent umsetzen; Pilotprojekte in Frauenhäusern und Notunterkünften; spezifische Housing-First-Angebote.
- LSBTIQ+ mit Beeinträchtigungen: Queer-inklusive Teilhabefachdienste ausbauen; Schulungen zum Neurodivergenz-Spektrum; Krisenhaus auf diese Zielgruppe fokussieren.
Ausblick: Selbstbestimmtes Wohnen
Von sechs Berliner Housing-First-Projekten bietet aktuell nur Housing First Queer (Schwulenberatung Berlin gGmbH) ein explizit queer-freundliches Angebot. Weiterführende Handlungsempfehlungen zu selbstbestimmten Wohnformen sind in Vorbereitung.
Eine ausführliche Broschüre über die Arbeit des AK QUEER*WOHNEN erscheint 12-2026.
Über das Netzwerk: Der Arbeitskreis QUEER*WOHNEN gründete sich 2024 auf Initiative von QUEERHOME* (einem von der Landesstelle für Gleichbehandlung – gegen Diskriminierung geförderten Projekt des Sonntags-Club e.V.). Über 38 queer-sensible Verbände, Institutionen, Projekte und Einzelpersonen engagieren sich im diesem Netzwerk für die Rechte von LSBTIQ+ in Wohnungsnot.
Homepage: https://ak-queer-wohnen.de/
Pressekontakt: Arbeitskreis QUEER*WOHNEN c/o QUEERHOME* | Kathrin* Schultz | kathrin.schultz@sonntags-club.de / Telefon +49-176-3412018